Kirchen im Westerkwartier

Das Westerkwartier beherbergt viele sehenswerte Kirchen.

Reformierte Kirche Midwolde

Schon das Innere dieser Kirche, mit der barocken Gruft des Bildhauers Rombout Verhulst, ist einen Besuch wert. Der Innenraum und die Ausstattung wurden weitgehend im Auftrag der Bewohner der nahe gelegenen Borg Nienoord gefertigt. Das Prunkstück ist die von Rombout Verhulst im Auftrag von Anna van Ewsum († 1714) entworfene Marmor-Gruft. Unter dem Mausoleum befindet sich ein Grabkeller. Desweiteren ist ein Eichenholzportal zu sehen, sowie eine Herrenbank aus dem Jahr 1660 und eine wunderschön geschnitzte Kanzel aus dem Jahr 1711, nach Stadtarchitekt Allert Meijer. Die Kirche verdankt ihre gesamte Einrichtung der Adelsfamilie Panhuys aus Midwolde, die im Jahr 1907 im Hoendiep ertrank. Sie hatte sich in ihre Kutsche einschließen lassen, da sie an jenem Tag eine große Geldsumme bei einer Bank in Groningen abgehoben hatte. Die Panik der ertrinkenden Familie war so groß, dass laut Augenzeugen "die Fingernägel im Dachleder der Kutsche steckten". Ein Farbglasfenster der Kirche erinnert daran.
 

Baptistenkirche Grijpskerk

Die am besten versteckte Kirche in der Provinz Groningen ist diese Baptistenkirche (= Doopsgezinde Kerk) von Grijpskerk. Es ist eine einfache Hallenkirche mit Mauern aus rotem Backstein. Die Fassaden sind auffallend symmetrisch. Da die Pfarrer der Baptistengemeinde Pieterzijl lieber in Grijpskerk wohnten, wurde 1890 in der Herestraat in Grijpskerk ein Pfarrhaus gebaut. Als nächstes wurde beschlossen, die Kirche dann auch nach Grijpskerk zu verlegen: das war für Prediger und Kirchengänger schließlich einfacher. Verlegt wurde jedoch nicht das gesamte Gebäude: es handelte sich vor allem um wertvolle Gegenstände wie die zwei Kronleuchter aus dem Jahr 1791, die Amtsträgerbänke und der Giebelstein.

Reformierte Kirche Den Horn

Die kleine Hallenkirche hat eine eklektische Fassade mit Nachdruck auf neoklassizistische Elemente. In einem eingemauerten Giebelstein steht die Jahreszahl 1862. Die Fassade wird von einem quadratischen Dachreiter mit Turmhelm gekrönt. Das Innere befindet sich weitgehend im Originalzustand. Vor der Restauration war das symmetrische Gesamtbauwerk von einem hölzernen Tongewölbe überdacht, inzwischen ist es mit einem Gewölbe aus Gipsplatten abgedeckt. Zentrales Element ist die Kanzel, mit fünfseitigem Korpus und einer Balustrade aus geschnitzten Holzpanelen. Den Horn ist ein relativ junger Ort, der um 1700 an einem Deich entstand. Der Name Horn bezieht sich wahrscheinlich auf 'Höhe' oder 'Ecke'. Das ursprüngliche Dorf entstand in der südwestlichen Ecke des Deichs. In diesem Gebiet, im Dorf Lagemeeden, stand bereits im Mittelalter eine kleine Kirche. Diese wurde jedoch im Jahr 1862 abgerissen und durch die heutige Kirche ersetzt. Seitdem hat sich das Dorf westlich von der Kirche entwickelt, wodurch sie sich nun mehr oder weniger lose vom Dorf befindet. Gottesdienste wurden hier bis 1981 abgehalten. Im Jahr 2010 begann man mit der Restaurierung der Kirche.

Evangelische Kirche Lettelbert

Eine gedrungene kleine Kirche aus dem 13. Jahrhundert, die auf einem Fundament großer Felsbrocken gebaut wurde. Reste aus dieser Zeit sind in der Nordwand zu sehen. Der fünfseitig geschlossene Chor ersetzt den einst geraden Chorschluss. Innen ist die Kirche durch die Einfachheit des Dekors und die schöne, blau-grüne Farbstellung der Deckenbalken sehr ansprechend. In der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde die Kirche schließlich für den protestantischen Gottesdienst eingeweiht. Vermutlich wurde das Altarblatt aus rotem Bremer Sandstein zu diesem Zeitpunkt als Pflasterstein vor die Kirchentür gelegt. Dieses Relikt der katholischen Liturgie wurde verwendet, um sich die Füße zu fegen. Bei der Renovierung von 1985 ist das Sandstein-Altarblatt mit drei noch sichtbaren Weihekreuzen in den Chor zurückgekehrt. Zur gleichen Zeit wurde das Farbschema der Decke wiederhergestellt.
 

Reformierte Kirche Niehove

Mitten auf der radialen Wierde des Dorfes befindet sich diese einschiffige Steinkirche mit einem dreiseitig geschlossenen Priesterchor. In der Nordwand sind noch romanische Rundbogenfenster zu sehen. Aus dieser Zeit stammen auch die gotischen Spitzbogenfenster. In der Nord- und Südfassade befanden sich früher Eingänge, die später zugemauert wurden. Im spitzigen Dachreiter hängt eine Glocke aus dem 13. oder 14. Jahrhundert. Sie gehört gemeinsam mit den Glocken von Uitwierde und Warfhuizen zu den ältesten Glocken in der Provinz Groningen. Im Inneren ist die Kirche mit einem hölzernen, blaubemalten Tongewölbe ausgestattet. Jahrhundertelang wurde die Kirche außer von den Kirchgängern dieser Gegend auch von Störchen aufgesucht. Darauf legte man dermaßen viel Wert, dass im Jahr 1668 ein Farbglasfenster mit einer Abbildung der Kirche und einem Storchennest eingesetzt wurde. Am Ende des 19. Jahrhunderts sind die Störche weggeblieben und bis heute nicht wieder zurückgekehrt. Der Kirchenrat tat alles, um die Störche zurück zu bringen und hat sogar das Nest verschönert. Erst 1920 wurde das Nest definitiv entfernt.
 

Evangelische Kirche Tolbert

Die vornehmen Bewohner des Steinhauses Auwema haben viel für die Kirche in Tolbert getan. Auf dem Abendmahlsilber und der Glocke ist ihr Name eingraviert, und sie hatten ihre eigene Herrenbank. Unter dem Chor befindet sich ihr Grabkeller. Im Jahr 1815 wurde die Schule in Tolbert derart baufällig, dass eine Alternative gefunden werden musste. Fünfzig Jahre lang erhielten die Kinder Unterricht auf den Grabplatten der Familie Auwema, im Chorabschnitt der Kirche.
 

Gangulfus Kirche Visvliet

Eine der beiden Windfahnen dieser spätgotischen Kirche hat die Form eines Fisches, die andere die eines Schiffes. Auf der Kanzel, der Konsole und der Windfahne ist ein Fisch abgebildet. Dieses christliche Symbol ist auch das des ehemaligen Fischerdorfes. In der Südwand des Chors befindet sich ein Stein, dessen Inschrift unter anderen den hohen Roggenpreis im Jahr 1557 erwähnt. Der Heilige Gangulfus, ein burgundischer Adliger aus dem 8. Jahrhundert, der in den friesischen Gebieten das Wort Gottes verkündet haben soll, wacht über diese Kirche. Ein Gedenkstein an der Westfassade erzählt uns, dass die Kirche im Jahr 1427 gebaut wurde.

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